Dessert und Süsses

Chneuiblätze – Fasnachtsküchlein

26. September 2026

Ich weiss, ich weiss. Fasnacht ist im Frühjahr und nicht im Herbst. Doch dieses Gebäck wird in der Familie meines Mannes an der Chilbi genossen. Bei uns im Dorf findet die Chilbi, also das Kirchweihfest, immer eine Woche nach dem Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag statt. In der Regel ist es das letzte Wochenende im September.

Ich habe die Chneuiblätze schon ewig nicht mehr gebacken. Um meinem Mann eine Freude zu bereiten, habe ich mich wieder einmal daran gewagt. Das Rezept habe ich in meinem alten Berner Kochbuch gefunden.

Das Schöne an solchen alten Rezepten ist, dass sie nicht nur etwas Feines auf den Tisch bringen, sondern auch Erinnerungen an frühere Zeiten wecken. Wenn ich die Chneuiblätze backe, kommen mir unweigerlich die Chilbisonntage bei meinen Schwiegereltern in den Sinn.

Meine Schwiegermutter legte die gebackenen Chneuiblätze jeweils in einen grossen Weidenkorb. Am Chilbisonntag traf man sich bei den Schwiegereltern, und zwischen Chneuiblätzen, Chräpfli, die auch als Schenkeli bekannt sind, und Süssmost ging es gesellig zu und her.

Der Teller mit den Chneuiblätzen und Chräpfli schien dabei nie leer zu werden. Meine Schwiegermutter füllte immer wieder nach. Es kam mir vor, als sässen im oberen Stock Heinzelmännchen, die unermüdlich am Ausbacken waren.

Keine Ahnung, wie viele Chneuiblätze und Chräpfli meine Schwiegermutter für diesen Tag ausgebacken hatte. Auf jeden Fall war es eine grosse Menge. Als ich selbst Chneuiblätze backte, musste ich unweigerlich an diese Chilbisonntage denken.

Wieso heissen sie Chneuiblätze?

„Chneui“ bedeutet Knie. Dieses Gebäck wird hauchdünn ausgerollt. Früher nahm man dazu ein sauberes Geschirrtuch und legte den bereits ausgerollten Teig über das Knie. So konnte man ihn vorsichtig weiterziehen, damit er noch dünner und gleichzeitig grösser wurde. Natürlich musste man gut aufpassen, dass der Teig dabei nicht riss.

Diesen Schritt habe ich weggelassen und den Teig stattdessen auf meiner Arbeitsfläche sehr dünn ausgerollt. Da der Teig sehr elastisch ist, ging das erstaunlich gut.

Auch bei mir hatte das eine oder andere Chneuiblätzchen ein kleines Loch. Halb so schlimm. Nach dem Ausbacken war davon nichts mehr zu sehen.

Zutaten für ca. 30–35 Stück
400 g Weissmehl
1 TL Salz
50 g flüssige Butter
3 Eier
ca. 100 ml Milch

Ausbackfett

Zubereitung
Das Mehl auf eine saubere Arbeitsfläche geben und eine Mulde formen. Salz, flüssige Butter, Eier und etwas von der Milch in die Mulde geben. Nicht die ganze Menge Milch von Anfang an dazugeben. Je nach Grösse der Eier und Feuchtigkeit des Mehls braucht es mehr oder weniger Milch.

Den Teig gut vermengen und verkneten, bis er schön geschmeidig und elastisch ist. In Folie wickeln und den Teig ca. 30 Minuten ruhen lassen.

Nach der Ruhezeit den Teig in ca. 20 g schwere Stücke teilen und zu Kugeln formen. Etwas Mehl auf die Arbeitsfläche geben und die Kugeln möglichst dünn ausrollen.

Ein sauberes Tuch ausbreiten und die ausgerollten Teiglinge darauflegen. Eventuell mit einer Folie abdecken, damit die Teiglinge nicht zu stark austrocknen.

In der Zwischenzeit in einem Gusseisentopf oder einer weiten Pfanne das Ausbackfett auf 170 °C erhitzen. Am besten mit einem Thermometer die Temperatur kontrollieren, damit das Fett nicht zu heiss wird.

Sobald einige Chneuiblätze ausgerollt sind, mit dem Ausbacken beginnen.

Einen Teigling vorsichtig in das heisse Fett geben. Mit Hilfe einer Holzkelle den Teigling vorsichtig etwas ins Fett drücken. Nach ca. 1 Minute das Gebäck wenden und auf der zweiten Seite ausbacken.

Aus dem heissen Fett nehmen und auf Haushaltspapier abtropfen lassen. So mit allen Teiglingen verfahren, bis alle ausgebacken sind.

Die Chneuiblätze können nach Belieben mit Puderzucker bestäubt werden.

Ich hoffe, ich konnte dich mit diesem Rezept anstecken.

Rezept als PDF – Chneuiblätze – Fasnachtsküchlein

  1. Liebe Amelia, dieses Rezept freut mich sehr!
    Jetzt kann ich sie endlich nachbacken! Herzliche Grüße aus der Nähe von Stuttgart Baden Württemberg

  2. Die Bilder sind wunderschön und die Chnöiblätze sind wirklich gelungen. Gerne werde ich das Rezept einmal ausprobieren. Wir haben die Chnöiblätze in unserer Kindheit auch immer gerne gegessen.

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